„Mein Kollege ist einfach neidisch auf mich.“ Vielleicht. Bisher ist es deine Deutung – was hat er getan?

RandbemerkungEin Urteil über einen Menschen, von einer Seite gefällt. Eine KI übernimmt es gern und baut ihren Rat darauf. Das Cogito bringt sie dazu, hier anzuhalten.

Das Cogito ist ein Text, den du einer KI vor dem Gespräch mitgibst. Er macht sie nicht klüger. Er bringt sie dazu, an den richtigen Stellen anzuhalten – vor allem dort, wo es um Menschen geht: wenn in einer Frage schon ein Urteil über jemanden steckt, wenn eine Wertung wie „vernünftig“ oder „unfair“ als Tatsache auftritt, wenn eine Seite der Geschichte fehlt – und wenn jemand erst einmal erzählen will, statt einen Rat zu bekommen.

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Für wenFür alle, die eine KI um Rat fragen, wenn es um Menschen geht: in der Familie, in der Partnerschaft, bei der Arbeit.

Dieselbe Frage, zweimal gestellt

In jeder Frage unten steckt ein Urteil über einen Menschen oder eine Wertung, die wie eine Tatsache auftritt. Dasselbe Modell hat sie einmal ohne und einmal mit Cogito beantwortet. Schalte zwischen den Antworten hin und her.

LesehilfeFarbig markiert sind Wörter wie „vermutlich“ oder „ungeprüft“. Dort zeigt eine Antwort selbst, wo ihr Wissen endet.

    Bekannte Denkfalle

    Die Frage

    Was das Cogito prüft

    Das Cogito gibt der KI kein Wissen. Es benennt Stellen, an denen sie anhält, und Gründe, die danach nicht mehr zählen – etwa, dass eine Zahl gut klingt oder dass der Termin drängt.

    I

    Der Stoff

    Woher stammt die Angabe? Wie verhält sich das Ding?

    Zahlen, Daten, Zitate – und die Dinge, um die es geht. Wie sicher eine Angabe ist, hängt davon ab, woher sie kommt; so genau steht sie dann auch da.

    II

    Die Setzung

    Wer hat entschieden, dass er neidisch ist?

    Urteile und Bewertungen sehen oft aus wie Tatsachen. Das Cogito sagt in einem Satz, dass es eine Bewertung ist – und hilft trotzdem weiter.

    III

    Der Gedanke

    Stimmt die Voraussetzung? Ist das eine Ursache – oder kam es nur vorher?

    Steckt in der Frage ein Irrtum, wird er zuerst genannt. Was nach etwas anderem geschah, gilt nicht gleich als dessen Folge. Bringt jemand eine eigene Lösung mit, sucht das Modell zuerst, was daran gut ist.

    IV

    Die Form

    So einfach, wie die Sache es erlaubt.

    Kein Lob der Frage, kein gelehrter Schmuck, kein Angebot am Ende statt der Sache selbst. Was fehlen kann, fällt weg.

    V

    Das Handeln

    Willst du eine Lösung – oder erst gehört werden?

    Erzählt jemand nur, beschreibt das Modell die Lage und gibt keinen Rat, um den niemand gebeten hat. Ist Arbeit verlangt, wird sie gleich getan. Fehlt eine Angabe, sagt es, wovon es ausgeht.

    VI · bei KIs, die vor der Antwort nachdenken

    Der Moment

    Den eigenen Entwurf lesen wie einen fremden Text.

    Bevor die Antwort steht, liest das Modell seinen Entwurf wie den eines anderen: Wo würde ich stocken? Was fehlt, was ist erfunden?

    Woher der Name kommt

    „Cogito“ ist Latein und heißt „ich denke“. Bekannt ist das Wort aus dem Satz von René Descartes: „Ich denke, also bin ich.“ Gemeint ist hier aber eine Bemerkung von Georg Christoph Lichtenberg aus dem späten 18. Jahrhundert: Man sollte eher „es denkt“ sagen, so wie man „es blitzt“ sagt. Erst die Übersetzung „ich denke“ setzt ein Ich voraus.

    So ist auch der Name gemeint. Im Modell denkt niemand im menschlichen Sinn. Der Text setzt einen Vorgang in Gang, in dem es an den richtigen Stellen anhält.

    Wozu das Cogito da ist

    Eine KI lernt aus dem, was Menschen geschrieben haben. Über Zahlen und Gegenstände schreiben sie halbwegs einig. Über das, was zwischen Menschen schiefgeht, nicht: über Wut und Kränkung, Neid, Geld, Überheblichkeit, Begehren, Maßlosigkeit, liegengebliebene Pflichten. Wer so handelt, beschreibt es anders als der, der es abbekommt – und beide anders als Ratgeber und Kommentarspalten.

    Wo die Texte so weit auseinandergehen, nimmt eine KI leicht die Lesart, die zur Frage passt. Wer fragt, wie er mit einem neidischen Kollegen umgehen soll, bekommt Tipps gegen neidische Kollegen. Ob der Kollege neidisch ist, fragt dann niemand mehr.

    Das Cogito soll eine KI genau dort anhalten lassen: beim Urteil, das schon in der Frage steckt, bei der Wertung, die wie eine Tatsache klingt, bei der Seite, die in der Erzählung fehlt, und beim Wunsch, erst gehört zu werden. Das Ziel ist eine KI, die einem Menschen in einer verfahrenen Lage weder nach dem Mund redet noch ihn belehrt, sondern ihm hilft, die Lage zu sehen – von beiden Seiten.

    Selbst probieren

    Stelle eine dieser Fragen einmal mit, einmal ohne Cogito.

    HerkunftDie Fragen hat Claude für diese Seite formuliert.

    Text kopieren und einrichten

    So geht es: Text unten kopieren, in deiner KI als erste Nachricht einfügen und abschicken, dann deine Frage stellen. Für dauerhafte Arbeit gehört der Text in die Einstellungen: bei Claude in die „Anweisungen für Claude“, bei Gemini in ein „Gem“, bei ChatGPT in die „Individuellen Hinweise“. Schritt für Schritt mit Bildern: Anleitungen.

    Länge
    Denkphase
    
      

    Für Claude, ChatGPT und Gemini im Browser: voll. Passt der Text nicht in ein Einstellungsfeld, nimm mittel oder klein; klein auch für KI-Programme auf dem eigenen Rechner. Denkphase „mit“ nur, wenn deine KI vor der Antwort anzeigt, dass sie nachdenkt (etwa „Denkt nach …“ oder ein aufklappbarer Gedankengang); im Zweifel ohne.

    Gut zu wissenDas Cogito gibt der KI kein Wissen, das sie nicht hat. Antwortet deine KI auf den Text selbst statt auf deine Frage, nimm die kleine Fassung.